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Am 10. Juli 2009 jährt sich zum 500. Mal der Geburtstag Johannes Calvins. Der Genfer Reformator gilt als ein "Gründungsvater" des reformierten Protestantismus. Calvin hat sich dagegen gewehrt, dass die durch ihn geprägte Reformation in Deutschland als "Calvinismus" bezeichnet wurde. Die auf Zwingli, Bullinger und Calvin zurückgehenden Kirchen in Europa nennen sich deshalb nicht "calvinistisch", sondern "reformiert". Diese Selbstbezeichnung erinnert daran, dass eine reformatorische Kirche im Hören auf Gottes Wort der fortwährenden Erneuerung bedarf: Ecclesia reformata semper reformanda.
Unter den Gelehrten des 16. Jahrhunderts war es üblich, den eigenen Namen ins Lateinische zu übertragen. Calvin hieß ursprünglich Cauvin (bzw. Chauvin), "der Kahle" (lat. calvus). Daraus leitet sich der Name "Calvinus" ab.
Schon früh wurde Calvin von Zweifeln gequält, ob er mit seinem althergebrachten Glauben vor Gott bestehen könne. Am Schicksal seines Vaters hatte er außerdem gesehen, wie zweifelhaft die römische Kirche handelte. Über den Vater war nämlich wegen einer ungeklärten Erbschaftsfrage der kleine Kirchenbann verhängt worden. Deswegen sollte er nicht auf dem kirchlichen Friedhof beerdigt werden. Unter anderem sein Vetter Pierre Robert Olivétan brachte Calvin dann den evangelischen Glauben nahe.
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Nur schwer können sich Menschen heutzutage die Dramatik der Umbrüche vorstellen, die mit der Reformation verbunden waren. In allen Lebensbereichen hatte sich ein Überdruss an den unbeweglichen Lebensverhältnissen angesammelt. Die Menschen stießen unablässig auf Regelungen oder gar Forderungen der Kirche, denen sie genügen sollten. Weil die mittelalterliche Kirche eine Neigung hatte, in den unterschiedlichsten Zusammenhängen die Frage des ewigen Heils mit ins Spiel zu bringen, waren die Menschen weithin wehrlos den Erwartungen und Forderungen der Kirche ausgeliefert. Religiöse Herrschaft ist stets eine besonders entmündigende und demütigende Herrschaft. Unter der Oberfläche begann sich Ungeduld zu regen, was in den Städten besonders deutlich gespürt wurde. Die Zeit war reif für durchgreifende Veränderungen.
Zugleich bestand die große Gefahr eines unbeherrschbaren Chaos. Die unterschiedlichen Reforminteressen hätten unkontrollierbar aufeinander prallen und sich gegenseitig zerreiben können. Auch die politische Gemengelage war keineswegs übersichtlich und somit schwer zu kalkulieren. Es war eine mehr als sensible Angelegenheit, einen wirksamen und steuerbaren Weg für die sich aufdrängenden Veränderungen zu finden. Den Stein ins Wasser zu werfen, ist eine Sache, die Beherrschung des in Unruhe versetzten Wassers aber durchaus eine andere.
Als Calvin die Bühne der Geschichte betrat, war der Stein bereits ins Wasser geworfen.
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Calvin hat Martin Luther nicht persönlich gekannt. Auch viele seiner Schriften, die nur auf Deutsch vorlagen, hat Calvin nicht gelesen. Über Bucer und Melanchthon, die beide Luther sehr gut kannten, erhielt Calvin einen guten Eindruck von dessen Persönlichkeit. Calvin verehrte den deutschen Reformator Martin Luther. Aber er wusste auch deutlich um dessen Grenzen. Die sah er vor allem da, wo Luther nicht in der Lage war, aus kirchenpolitischen Gründen innerprotestantisch Rücksicht zu nehmen.
Die Reformation des 16. Jahrhunderts erfasste auch Frankreich. Prägender Reformator war dort der Franzose Johannes Calvin, der aber aus seinem Heimatland flüchten musste. Die calvinische Reformation breitete sich in dem römisch-katholischen Zentralstaat von unten her aus. Bis zu zehn Prozent der Bevölkerung wandten sich Calvins Ideen und der Form seines Glaubens zu. Vor allem Bewohner im Süden des Landes, meistens Städter und Adlige, schlossen sich dieser Glaubensrichtung an. Sie nannten sich réformés (Reformierte). Die heutzutage für sie benutzte Bezeichnung "Hugenotten" war damals eine verächtliche Fremdbezeichnung. In Deutschland hat sich der Name "Hugenotten" in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eingebürgert, manchmal sogar für Hugenotten-Nachfahren.
Wer eine reformierte Kirche betritt, bemerkt schnell: Reformierte Kirchräume sind Versammlungs- und Gemeinschaftsräume. "Versammlung" ist für die Reformierten ein wichtiges, ein theologisches Stichwort. In einem ihrer Bekenntnistexte, im Heidelberger Katechismus, heißt es, dass Jesus Christus seine weltweite Gemeinde von Anbeginn der Welt bis heute "versammelt, schützt und erhält" (siehe im Katechismus die Frage 54).
Reformierte Kirchräume müssen also immer auch Räume sein, die diesen Gemeinschaftsaspekt ausdrücken, die ihn lebbar, erlebbar machen. Sie sind so gestaltet, dass sie Menschen Raum bieten, um zusammenzukommen. Hier feiern sie Gottesdienst. Hier treffen sie sich zu Gemeindeversammlungen. Aber hier finden auch andere Veranstaltungen statt: Gemeindegruppen, Konzerte, Lesungen.
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Das Schiff der Kirche Utrecht Museum Catharijneconvent |
Die Kirche, so Calvin, ist der Leib Christi, und weil Christus einer ist, kann es auch nur eine, die allgemeine Kirche geben. Christus konstituiert die Kirche und hält die Menschen in ihr zusammen. Nun sind aber die Menschen fehlbar, und es gibt Reine und Unreine in der Kirche, Heilige und Heuchler. Die Kirche, wie sie in der Welt besteht, ist immer ein corpus permixtum; in ihr sind wahrhaft Gläubige und Simulanten, zerknirschte, gerechtfertigte Sünder und Halsstarrige miteinander vermengt.
Eines von Calvins Hauptanliegen ist es zu zeigen, dass Menschen daran nichts ändern können. Allein Gott wisse Gläubige und Ungläubige, Auserwählte und Nichterwählte zu scheiden. Niemand soll aus der Kirche austreten, weil es dort auch "Ungläubige" gibt. Und niemand dürfe andere aus der Kirche ausschließen, weil er meint, sie seien nicht gläubig genug. Diese deutliche Ablehnung des menschlichen Urteils über andere ist für Calvin von größter Bedeutung.
Am allermeisten aber ist Calvin an der Einheit und dem Frieden in der Kirche gelegen. Dazu brauche die Kirche wie jede menschliche Gemeinschaft eine Ordnung. Diese besteht aus zwei Typen von Vorschriften: aus denen, die sich auf Bräuche und Zeremonien beziehen, und aus solchen, die der "Zucht", dem rechten Leben, und dem Frieden dienen.
Das Recht der Reformierten auf Tolerierung im konfessionellen Flickenteppich des römischen Reiches wurde erst 1648 im Westf. Frieden gewährt. Außerdem bestand damals noch ein beträchtlicher Gegensatz zwischen Lutheranern und Reformierten, wie sich am Beispiel Brandenburgs deutlich zeigt.
"Am Weihnachtstag 1613 nahm Kurfürst Johann Sigismund im Berliner Dom am Abendmahl nach dem calvinistischen Ritus teil. Die Kerzen und das Kruzifix, die den Altar für den lutherischen Gottesdienst schmückten, waren entfernt worden, und es gab auch keine Kniefälle oder Verbeugungen und keine Abendmahlshostie, nur einen langen Laib Brot, der gebrochen und unter den Kirchgängern verteilt wurde."[1]
"Johann Sigismunds Konversion bedeutete eine Neuausrichtung des Hauses Hohenzollern. Sie verstärkte die Verbindung der Dynastie mit dem kämpferischen Interesse der Calvinisten in der Reichpolitik.......Gleichzeitig riss die Konversion des Kurfürsten eine tiefen konfessionellen Graben zwischen der Dynastie und dem Volk auf." [1]
Im 19.Jahrhundert kam es durch Bewegungen von oben (Preußen) wie auch von unten (Baden, Hessen, Pfalz u.a.) zu einer Vereinigung lutherischer und reformierter Gemeinden zur Unierten Kirche. Der derzeitige Stand der Vereinigung ergibt sich aus der am 1. Juli 2003 beschossenen Union Evangelischer Kirchen (UEK)
M. Firnhaber
Fotos können durch anklicken vergrößert werden
Quelle: calvin.de, ekd.de/calvin, Wikipedia, [1] Christopher Clark: Preußen